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Bottrop – eine Stadt für undigitalisierte Rollatorbesitzer

Heute möchte ich mal mit meiner Heimatstadt Bottrop in NRW abrechnen, da ich für mich entsprechende Konsequenzen gezogen habe. Jeder hat irgendwo sicher mal von Bottrop gehört, sei es wegen der Skihalle oder wegen des Freizeitparks, aber was die wenigsten wissen: Bottrop ist „Innovation City“.

Das fängt damit an das man Zukunftshäuser baut, Kraftwerke energetisch umbaut, oder einen Bus mit Wasserstoffantrieb besitzt. Es gibt viele – vor allem kleinere Projekte – weshalb sich diese Stadt so nennen darf. Das ist auch gut so, aber sie verliert den Blick für das Wesentliche: Die Menschen die in dieser Stadt wohnen.

Innovation, was bedeutet das überhaupt:

„der Vorgang, dass durch Anwendung neuer Verfahren und die Einführung neuer Techniken ein Bereich erneuert und auf den neuesten Stand gebracht wird.“
Quelle: Google

Soweit, so gut. Allerdings existiert in dieser Stadt kaum Raum für die wirkliche Innovation: Die Digitalisierung. In Bottrop gibt es eine Mini-Szene was Internetunternehmen betrifft, aber wirklich einen Namen hat sich diese Stadt nicht durch die Revitalisierung von alten Zechen-Gebäuden für Unternehmen gemacht, sondern eher durch soziale Brennpunkte und nicht fertiggestellte Stadtmodernisierungen. Beispiel: Hansa-Zentrum Umbau, gerne könnt ihr mal danach suchen in einer Suchmaschine eurer Wahl.

Kino? Fehlanzeige.

Das die Innenstadt nahezu ausgestorben ist, liegt zum einen aber am generellen Trend alles online zu bestellen, zum anderen aber auch an der mangelnden Freizeitgestaltung. Bottrop ist eine Großstadt mit über 117.000 Einwohnern, besitzt aber nicht mal ein vernünftiges Kino. Um wirklich aktuelle Filme zu sehen, muss man entweder nach Essen oder nach Oberhausen fahren. Und da gibt man dann eben auch sein Geld aus. Klingelt es, Bottrop?

In der Innenstadt an sich gibt es alles was man eben benötigt: 20 Friseure, 10 Apotheken, Sanitätshäuser, Banken, Ärzte: Alles was der Rentner benötigt. Aber das wäre ja nicht fair der Stadt gegenüber: Es gibt noch zwei Discotheken, die in Stadtteilen liegen, wo man Abends lieber nicht alleine langlaufen sollte.

Eine tolle Stadt – wenn man alt ist

Wie man vielleicht herauslesen kann, bin ich nicht mehr der größte Fan meines Geburtsortes. Denn mit den Jahren hat sich im Bereich Unterhaltung/Jobs nicht wirklich viel getan. In einigen Stadtteilen merkt man zudem das dort eine andere Mentalität herrscht, aufgrund zahlreicher Lokalitäten von Immigranten, auf der anderen Seite ist die Innenstadt quasi ausgestorben.

Das hat letztendlich auch mit zahlreichen Bauprojekten zu tun, die entweder in Stocken geraten sind, oder einfach noch nicht fertiggestellt wurden. An Attraktivität hat die Innenstadt wenig gewonnen, in meinen Augen sogar verloren. Der große Berliner-Platz (Busbahnhof) der vor einigen Jahren umgebaut wurde, ist aufgrund neuer Geschäfte, der Treffpunkt für den sozialen Abstieg geworden. Das ist traurig, daran kann man aber eben als normaler Bürger nichts ändern.

Eine echte „Innovation“ war, dass es neuerdings wieder einen Elektronikmarkt in Bottrop gibt. Denn einige Jahre musste man für ein HDMI-Kabel noch in die Nachbarstadt fahren. Ihr lest richtig, wir sprechen hier von einer Großstadt wo es bis vor kurzem keinen Elektronikmarkt gab, da der vorherige aufgrund eines Umbaus im Konzerns schließen musste.

Um aber fair zu bleiben, es gibt hier sehr viele Naturschutzgebiete wo man sich erholen kann, schöne Radstrecken, viele Sportvereine. Der Stadtgarten in Bottrop ist wunderschön – wird auch sehr gepflegt, aber das alleine reicht jungen Menschen eben nicht aus um sein Leben hier von Anfang bis Ende fortzuführen.  Das Kino ist dabei nur das Paradebeispiel.

Jobs, Jobs, welche Jobs?

Natürlich gibt es auch Jobs in der digitalen Branche (und davon rede ich hier nun auch primär, denn hier im Blog geht es auch darum), aber die so rar und schlecht bezahlt sind, dass man gezwungen ist in eine Nachbarstadt auszuweichen. Essen, Düsseldorf um nur ein paar zu nennen. Aber jeder der in Düsseldorf arbeitet und Abends ins Ruhrgebiet pendelt, wird innerlich schon gekündigt haben. Stau wohin man blickt.

Diese Stadt tut einfach zu wenig, um entsprechende Firmen anzulocken. Wenn man wirklich so „Innovativ“ ist, wieso baut man nicht ein Stadtviertel um, um daraus ein digitales Viertel zu machen? Das fängt mit wirklichen Innovationen an, wie z.B. kinetische Energie, d.h. Energiegewinnung über  Bürgersteige, WLAN, Ladestationen… Aber bei Vorschlägen dieser Art erhält man nicht mal eine Antwort vom Rathaus. Ich glaube sie denken das irgendein verrückter Professor sich in der E-Mail Adresse vertan hat. Schaut man sich Projekte wie von Google Alphabet in Toronto an, dann würde Bottrop sicher mal begreifen was wirklich Innovativ ist: Die Stadt für den Arbeitsmarkt der Zukunft fit zu machen.

Ich wünsche mir sehr für die Stadt, dass in der Zukunft ein großes Unternehmen kommt und dort alles mal auf den Kopf stellt. Digitalisierung bedeutet keinen Wegfall von Arbeitsplätzen, sondern neue Chancen und Sicherheit. Und dabei kann man die Tradition von Multikulti durchaus erhalten.

Aber wem erzähle ich das.

Bild: Ich.

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