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Brauchen wir Facebook?

Der digitale Tod, viele bekannte Websites haben ihn schon erlebt. Die letzte größte Katastrophe haben sicher die VZ-Netzwerke hinter sich, ihr erinnert euch: StudiVZ, MeinVZ, SchuelerVZ. Doch wann ist es bei Facebook soweit?

Datenkraken wie Facebook haben weiterhin steigende Userzahlen. Allerdings wird über die Leichen im Keller geschwiegen – schönt ja die Zahlen. In Q2/2017 hat Facebook die Grenze von weltweit 2 Milliarden aktiven Nutzern erreicht. Stagnieren wird es selbstverständlich erst, wenn alle Menschen auf dieser Welt dort vernetzt und aktiv sind. Doch wollen wir das?

Quelle: Statista

Die Karteileiche – Freund der Statistik

Ich kann mich noch an die Tage erinnern, als die User den VZ-Netzwerken den Rücken zugewandt haben. Zahlreiche Seiten haben Hochrechnungen angestellt, wann vermutlich niemand mehr dort angemeldet sein wird. Bereits nach einem Jahr konnte man innerhalb der Community feststellen: Es erinnert an eine ausgestorbene Stadt im Wilden Westen. Es fehlte bloß noch der obligatorische Strauch der im Hintergrund umherfegt.

Die Karteileiche ist in erster Linie zwar nicht mehr aktiv, aber immer noch vorhanden. Was bedeutet das für den Betreiber? Er kann mit den Daten immer noch arbeiten. Daten sind das neue Gold. Jedenfalls im Internet.

Aktive User vs. Angemeldete User

Oben konntet ihr in der Grafik sehen, dass Facebook weiterhin steigende, aktive Userzahlen besitzt. In Deutschland sieht es wie folgt aus:

Mehr als 30 Millionen Menschen in Deutschland waren im 1. Quartal 2017 jeden Monat auf Facebook aktiv. Täglich waren es 23 Millionen.

Quelle: https://de.newsroom.fb.com/news/2017/06/eine-community-von-30-millionen-facebook-sagt-danke/

Warum überhaupt im Quartal? Facebook ist ein börsennotiertes Unternehmen und muss daher Quartalsergebnisse präsentieren. Täglich sind also 23 Millionen in Q1/2017 aktiv gewesen, die anderen 7 Millionen haben keine Klassifizierung. Waren sie nun 1x im Monat aktiv, 1x in der Woche?

Brauchen wir Facebook?

Ich möchte hier nicht näher auf weitere Zahlen eingehen, sondern mich mit der grundsätzlichen Frage beschäftigen: Wozu brauchen wir Facebook? Dazu müssen wir uns mal vor Augen halten wer wir sind: Privater User oder Unternehmen? Aus diesen beiden Kategorien kann man nun die Vor- und Nachteile ermitteln:

Privater User (Vorteile)

  • Ich kann mit alten Freunden, Kollegen und Schulfreunden in Kontakt bleiben
  • Viele Nischen-Gruppen
  • Gewinnspiele
  • Interessen teilen
  • Narzissmus ausleben

Private User (Nachteile)

  • Überschwemmung des Feeds
  • Unbefriedigende Suche
  • Neid (Anderen Usern folgen die ein angeblich besseres Leben besitzen)
  • Übersättigung
  • Narzissmus wird schnell zum Problem

Unternehmen (Vorteile)

  • Image aufpolieren/steigern
  • Steigerung von Umsatz (nur bei B2C)
  • Offene Kommunikation mit Fans/Kunden
  • Teilen von Erlebnissen
  • Kommunikation von Angeboten

Unternehmen (Nachteile)

Ich sehe als privater User und als Unternehmen mehr die Nachteile im Fokus, als die Vorteile. Warum? Als privater User bekommt man echt viele unrelevante Nachrichten gezeigt. Möchte ich den ganzen Tag Katzenbilder sehen? Ja? OK – dann bist du hier genau richtig. Auf vielen Seiten wird über Dinge diskutiert, die mir in der realen Welt kein Gedanke wert wären. Da hat doch tatsächlich der Post-Mitarbeiter meine Post in den falschen Postkasten geworfen. Unverschämtheit, direkt mal bei Mark Zuckerberg melden.

Das digitale Heroin

Für mich (und da bin ich auch schon bei den Unternehmen) ist Facebook einfach nur eine riesige (digitale) Müllhalde, auf der ich meine ganzen negativen Emotionen zu einer Person, Unternehmen oder Situation abladen kann, in der Hoffnung das ich von anderen Usern wahrgenommen werde um somit meinen „digitalen Schuss“ abzuholen, den ich im realen Leben nicht erhalte. Oder um mich zu irgendwelchen Gewinnspielen einzuschreiben, wo ich einen „Like“ hinterlasse. Ich habe mit vielen Kollegen aus dem Bereich Social Media gesprochen, die mir alle ähnliches berichtet haben: Wird etwas interessantes verlost, stürmen die Leute wie beim SSV in „den Laden“ und wollen nichts verpassen. Psychologie der Massen?

Letztendlich hat Facebook doch auch schon zuviel Einfluss auf die Welt, siehe die letzte US-Wahl wo User nicht aus ihrer „Blase“ herauskamen. Und man denke an die ganzen Datenschutz-Skandale die Facebook in Deutschland ausgelöst hat. Das ganze hier noch etwas zu vertiefen, würde alles nur aufblähen, dazu findet ihr tausende Artikel im Internet.

Bei Facebook bin ich seit Jahren nicht mehr, trotzdem nutze ich das ein oder andere Social Network. Hey, ich bin Onliner. Was ich mit diesem Beitrag aber eigentlich erreichen will ist:

Hinterfragt euch doch einmal ob ihr Facebook wirklich benötigt, es gab schließlich noch ein Leben vor Facebook. Und das funktionierte doch auch, oder? 

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