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Meine Erfahrung mit Personalagenturen

Unverhofft kommt oft. Diese Weisheit trifft im Leben besonders oft zu, vor allem beruflich. Und wie viele andere Menschen auch, macht man sich irgendwann auf den Weg zu einer Personalagentur. Denn einige Jobs werden gar nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern nur über eine Personalagentur betreut. Die Selektion soll damit nämlich „professioneller“ ablaufen.

Ich kann euch sagen, ich habe Erfahrungen mit ca. 20 Personalagenturen gemacht. Und die sind nicht immer unbedingt professionell. Im Gegenteil, man sollte sich nicht blenden lassen von den Versprechungen die ein „Consultant“ euch macht. Letztendlich arbeitet ihr nämlich später in dem Job und nicht der Herr/die Dame, die euch die Stelle schmackhaft machen möchte.

Sie haben ja mal was mit Internet gemacht

Tatsächlich ist mein eigener Lebenslauf schon recht lang. Immerhin arbeite ich seit über 10 Jahren im Internet und habe einige Unternehmen kennengelernt. Manche Personalagenturen sehen meiner Meinung aber nur die Zeit und nicht was man gemacht hat. Ich liste euch dazu mal meine persönlichen Erfahrungen auf, die den Eindruck vermitteln, dass Personaler mit aller Gewalt vermitteln wollen:

  • Aktualisieren Sie Ihren Lebenslauf mit folgenden Punkten…
  • Überhaupt kein Gespräch bzgl. Qualifikation, einfache Weiterleitung…
  • Sie können Englisch? Verhandlungssicher? Muss ich nicht überprüfen, passt.
  • Ich habe auch noch Job Y und Job X, da werden wir Ihr Profil auch hinsenden

In erster Linie habe ich Verständnis für Personaler. Sie wollen dem Kunden eine möglichst große Auswahl bieten und natürlich auch schnell jemanden vermitteln. Denn oft hängt auch die eigene Provision an einer Vermittlung. Lasst euch also nicht vom Wort „Headhunter“ blenden.

Seriös arbeiten die meisten

Fairerweise muss ich natürlich sagen, dass die meisten Personalagenturen professionell vorgehen. Man bekommt entweder ein ausgedehntes Telefoninterview indem die Stärken analysiert werden, oder man wird vor Ort eingeladen. Es kommt auch oft vor das man für eine interessante Stelle NICHT weitervermittelt wird, weil der Personaler einen anders einschätzt. Das ist vorbildlich, allerdings sollte man auch hier etwas Skepsis mitbringen (Hat die andere Stelle zu wenig Bewerber, ist der Kunde schon verärgert nicht genug Bewerber zu bekommen?)

Unseriös finde ich Agenturen/Recruiter, die überhaupt nichts überprüfen. Ich möchte hier auch niemanden auflisten, aber das riecht schon arg nach reiner Provisionsgier. Vor allem ist das als Bewerber auch recht unfair, da man ja in der Regel die Anreise zum Unternehmen selber zu tragen hat. Je nachdem wo es ist, kann es ganz schön ins Geld gehen.

Nicht unbedingt unseriös, aber unverschämt.

Es gab in den letzten Wochen eine Erfahrung die ich für besonders unverschämt halte. Da sitze ich in einer großen Personalagentur in Essen, dessen Name ich an dieser Stelle nicht erwähne (ein Gruß geht aber an den überaus von sich überzeugten „Senior Consultant“), bei welchem der Consultant zunächst zu spät zum Gespräch kam und noch einen blöden Witz über meinen Namen machen musste. Wow, stehende Ovationen an dieser Stelle, ganz großes Kino.

 

Im Gespräch selber meinte er dann auch noch den „Ruhrpott-Kumpel“ raushängen zu lassen. Fand ich persönlich etwas unangebracht, aber nach außen hin habe ich das mit Humor genommen. Im Gespräch machte er sich auch noch über andere Bewerber lustig, die eine andere Meinung zu Fleisch hatten als er. OK. Ich persönlich mag auch Fleisch, aber muss man sich in einem Gespräch über andere Bewerber auslassen? Fun fact: Der Name leitet sich aus „dissen“ ab…

Dazu muss ich sagen das diese Personalagentur verschiedene Büros in Deutschland besitzt. Im ersten Telefoninterview musste ich sogar auf Englisch reden. Das war auch der Grund wieso ich mich dort dann eingetragen habe. Aber so kann man sich irren, denn die Recruiterin am Telefon war eben nicht die endgültige Ansprechpartnerin.

Energieraubende Vampire

Vorstellungsgespräche sind anstrengend. Punkt. Wer sich in einem größeren Unternehmen bewirbt, der wird mit einem Gespräch nicht auskommen. Mein krassestes Beispiel waren vier Gespräche und ich war immer noch nicht am Ziel. (Anmerkung: Das hat sich von meiner Seite aus erledigt). Gespräch 1: mit dem CEO (2 Std.), Gespräch 2: Telefoninterview mit Teamleitung (1 1/2 Std), Gespräch 3: vor Ort Interview mit drei weiteren Teamleiter/innen (2 Std.), Gespräch 4: Werksbesichtigung (Nope). Ja, es ist je nach Stelle verdammt anstrengend und vor allem Energieraubend. „Vampire“ in dem Fall, weil man sich nach solchen Gesprächen richtig leer fühlt. Man erzählt eben aus seinem Lebenslauf, seinen Interessen, seinen Zielen. Da offenbart man einen Teil seiner Seele völlig unbekannten Menschen, die man überzeugen möchte.

Alternative zu Personalagenturen?

Der effektivste Weg ist natürlich sich direkt beim Unternehmen zu bewerben. Das birgt zwar das Risiko schnell abgelehnt zu werden, aber es ist auch am fairsten. Ihr lernt nicht erst eine Agentur kennen, sondern direkt die Menschen mit denen ihr später arbeiten müsst. Sehr gute Erfahrungen habe ich auch mit einem börsennotierten Unternehmen gemacht, welches ich im Beitrag weiter oben schon erwähnt hatte (die vier Gespräche). Hier wurde wirklich richtig professionell über die eigene Person recherchiert, dass hatte mich wirklich beeindruckt. Leider passte das Arbeitsumfeld aber nicht.

Fazit: Es gibt genügend Jobs auch außerhalb von Personalagenturen. Ein Vorteil ist auch, dass Anreisekosten/Übernachtungskosten von großen Unternehmen getragen werden. Diese sind dann mitunter nicht immer so hoch budgetiert wie über eine Agentur, allerdings sind die Chancen hier mindestens genauso groß und die Entscheidungen fallen etwas schneller. Das ist jedenfalls mein persönlicher Eindruck. Fahrt also immer mehrgleisig, wenn ihr auf der Suche seid.

Nachtrag 06.05.2017: Ich habe es nun ohne Personalagentur zum neuen Traumjob geschafft. Manchmal ist es einfach besser auf sein Bauchgefühl zu hören, anstatt auf leere Worthülsen 🙂

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