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Urban Challenge Hamburg 2017 – Ein Erfahrungsbericht

Dieses Jahr war es endlich soweit, ich bin nach Hamburg gereist um an der Urban Challenge teilzunehmen. Eigentlich kann man nur völlig durchgeknallt sein, wenn man eine Anmeldegebühr von 69 € zahlt, um sich anschließend zu quälen und am Ende des Tages jede Faser seines Körpers zu spüren.

Letztes Jahr wurde leider nichts aus dem Urbananthlon (Name wurde dieses Jahr geändert), da ich mir – wie einige aufmerksame Leser vielleicht wissen – mich am Knie verletzt hatte. Aber dieses Jahr gab es keine Ausreden mehr.

Zugleich war es in 2017 auch mein erster Wettkampf, da ich dieses Jahr privat einfach zuviel um die Ohren hatte und ich einfach nicht fit genug war für Wettkämpfe. Und ehrlich gesagt, richtig fit war ich für die Urban Challenge auch nicht, denn was mich dort erwartet hatte, konnte ich mir kaum ausmalen.

Die Strecke

Am Hamburger Hafen

Im Gegensatz zum letzten Jahr wurde die Streckenlänge von 12 auf 10 km minimiert, die Strecke optimiert und insgesamt kompakter gemacht – vor allem auch um Staus an den Hindernissen zu verhindern, aber diese waren trotzdem da. Die Strecke führt zwischen Fischmarkt und Övelgönne entlang, also inmitten im Herzen von Hamburg. Von der Kulisse her ein Traum, da sie an beliebten Läufer-Strecken entlang führt.

1.000 Treppenstufen sorgten dann für etwas „Abwechslung“, falls es beim Laufen zu langweilig wurde. Die Höhenmeter und die insgesamt 20 Hindernisse (die ich gleich noch im Bericht vorstelle) gaben einem den Rest.

Die ersten Hindernisse fingen erst ab Kilometer 3 an, damit sich das Feld etwas auseinander zieht. Dafür ein großes Lob, ich denke das war im letzten Jahr noch deutlich schlimmer mit dem Stau an den Hindernissen.

Die Organisation

Alles war ausgeschildert, Chip, Unterlagen und Goodies bekam man schnell, es gab Duschen, Umkleiden und die Möglichkeit seine Wertsachen im Cruise Center zu hinterlegen. Für Stimmung sorgte eine große Bühne mit Live Musik und einem Warm Up. Später am Abend gab es noch eine Party gegen Gebühr, die m.E. aber sehr spät war, bezogen auf Läufer die nicht aus dem Umkreis kamen. Davon ab hätte ich kaum noch stehen können…

Event-Gelände (Cruise Center Altona)

Diese Goodies gab es für Teilnehmer im Startpaket:

  • T-Shirt in Wunschgröße
  • Beutel
  • Getränkeflasche
  • Eine Flasche alkoholfreies Bier
  • Energy Drink
  • Nussriegel
  • Race Chip gegen Gebühr
  • Medaille nach erfolgreichem Lauf

An der Strecke selber gab es auch nichts zu bemängeln, überall standen Posten und zudem war der Weg eindeutig auf dem Asphalt gekennzeichnet. Es konnte sich niemand verlaufen! Insgesamt gab es auch zwei große Wasserstellen mit Wasser und Iso, das war bei den Temperaturen von ca. 25 Grad und Sonnenschein auch bitter nötig.

So war der Lauf (Inkl. Hindernisse)

Kommen wir zum spannenden Teil dieses Artikels: Wie war denn eigentlich der Lauf? Gestartet wurde in ingesamt 8 Startblöcken (A-H), dafür müsste man vorab bei der Anmeldung seine Zeit auf 10 km angeben und wurde so einer Gruppe zugeteilt. Die Blöcke wurden jeweils mit 2-3 Minuten Abstand auf die Strecke geschickt.

Da stand ich nun, Startblock E, mein erstes Mal Urban Challenge. Am Start lief es gesittet zu, Joey Kelly (der Ultraläufer und genereller TV-Liebling) läutete an der Glocke und es ging los auf die Strecke. Ich musste mich dazu drängen langsamer zu laufen, da das hier auch nicht meine übliche Streckelänge ist. Mehr als 5 km bin ich in einem Wettkampf noch nie gelaufen, deshalb gab es sogar zwei erste Male für mich. Auf den ersten drei Kilometern gab es Höhenmeter und einige Stufen, die schon dafür sorgten, dass einem nicht langweilig wurde. Erinnerungen an den Tetraeder Treppenlauf wurden wach.

Karte der Hindernisse

Und da kam schon das erste Hindernis: „Eat Sand“. Der Name war Programm: Man musste unter einem Gitter am Hamburger Strand krabbeln und mit dem Gratis-Sand direkt zum nächsten Hindernis laufen: „Sand Back Attack“ – einen 15 Kilo Sandsack 100 Meter tragen. Das ging auch alles soweit noch, nur wurde mir hier schon klar das wir ja erst 3 Kilometer gelaufen sind und erst zwei Hindernisse hatten. Unsicherheit machte sich breit…

In unmittelbarer Nähe kam schon das nächste Hindernis: „Fire Fighter“ – unter einem Feuerwehrwagen durchkrabbeln. Dieses ganze gekrabbele war auf Dauer recht anstrengend, da bekommt man direkt Respekt vor jedem Baby. Bei „Jump & Crawl“ standen insgesamt 5 verschiedene Hindernisse im Weg. Auch hier musste man wieder krabbeln und viel klettern. Gleich danach folgte auch Hindernis Nummer 5: „Conrecte Climb“ – überdimensionale Betonklötze, über die man klettern musste. Hier bildete sich leider auch der erste Stau, Minuten später zogen die Helfer die Absperrung auf und riefen dazu auf, eines der Hindernisse zu überspringen. Leider recht spät, man stand sicher 5, 6 Minuten in einer Schlange.

Danach gab es dann etwas „Pause“, man musste nur laufen und wieder ein paar Treppenstufen mitnehmen, inklusive der Höhenmeter. Die Strecke begann langsam, die Energiereserven aufzubrauchen.

„Urban Jungle“ nannte sich das nächste Hindernis, hier musste man unter zahlreichen Gerüsten hindurchklettern. Viel schlimmer als die Hindernisse, waren diese ganzen Stop and Go-Phasen. Wenn man noch nie sowas mitgemacht hat, weiß man spätestens danach wie anstrengend das ist.

Der Wink mit dem Zaunpfahl: Hindernis 7 (meine Glückszahl) war die Quarterpipe, man musste eine 3,7 Meter hohe Rampe hinaufrennen und konnte sich an einem Seil festhalten. Und leider auch hier wieder: Stau!
Was mache ich? Lege einen Sprint davor ab, will mich an der Kante hochziehen und schaffe es nicht. Da hänge ich nun. Zum Glück standen zwei freundliche Läufer zur Stelle und haben mich dann hochgezogen, das war zugleich auch der Zeitpunkt, wo ich mir die ersten Schrammen zugezogen habe und mir bewusst wurde: Was mache ich hier eigentlich?

Danach ging es dann erstmal weiter zu einen paar Treppen! Endlich. Wieder. Treppen.

Mit etwas Hindernis-Pause ging es dann zu „The Wall“, wo man eine 1,8 Meter hohe Wand überwinden und anschließend (ihr könnt es euch schon fast denken) unter einer Besucherbrücke durchkrabbeln musste. Anschließend ging es zum „Tyrenator“, wo auf einer Strecke von 40 Metern über 2.000 Reifen im Weg standen. Danach folgten wieder einige Höhenmeter damit es nicht zu langweilig wurde. Wir befinden uns jetzt bei Hindernis 9, es fehlen immer noch 11. Und wieder diese verdammten Treppen mittendrin, zwischenzeitlich bin ich auch ein paar Meter gegangen, es ging einfach nicht mehr.

„Double Danman“ waren zusammengebundene Bauzäune über die man natürlich klettern musste. Halbzeit bei den Hindernissen. Persönlich habe ich beim Lauf aber nicht die Hindernisse gezählt, ich habe einfach den Kopf ausgeschaltet. Anschließend ging es zu „Pipes Truck“, man musste mal wieder klettern, diesmal über Betonrohre.

„Doppellochser“ war auch wieder ein Hindernis zum klettern, eigentlich recht einfach, wenn da nur nicht der Rest vorher gewesen wäre. Bei „Staircase“ wurde einem 600 Paletten in den Weg gestellt, die man hinaufklettern musste um anschließend beim „Deich Jump“ drei Meter in die Tiefe zu springen.  Der anschließende „Spiderman“ machte es nicht einfacher, hier musste man über ein Netz hochklettern und auf einen Container springen.

„Monkey Business“ und „Happy Dumpster“

In Reichweite war auch schon der „Happy Dumpster“, ein recht lustiges Hindernis, man musste in einem Container klettern und in Schaumstoffblöcken landen, „Traffic Jam“ danach war ähnlich lustig, wenn man denn noch lachen konnte: Man musste über einige Autos springen, klettern, wie man wollte. Das Ziel war jedenfalls schon in Reichweite – zum Glück, wären da nicht noch drei weitere Hindernisse vor dem Ziel.

„Monkey Business“: Absolut fies das am Ende der Strecke zu installieren, über ein Gerüst musste man sich auf die andere Seite hangeln, einige schummelten natürlich über die Außenseiten, aber letztendlich habe ich da auch irgendwie Verständnis für 😀

Endlich, dass Ziel.

Auf der Zielgeraden kam dann noch Hindernis 19 „Fish ’n Chips“, wo man seine Füße baden „durfte“, anschließend Hindernis 20 „Sea Fright“ wo man vor der Ziellinie nochmal über einige Container hüpfen musste. Zum Ziel hin habe ich dann nochmal gesprintet, aber ich kann euch versichern, das war echt nicht einfach. Letztendlich habe ich den Lauf in 1:20:26 beendet mit Platz 873, womit ich im Nachhinein nicht zufrieden bin (aufgrund der Staus), mir es aber beim Lauf dieses Mal total egal war, ich wollte einfach nur ankommen.

2.287 Teilnehmer waren laut der Seite gelistet, jedoch waren nicht bei allen die Zeiten drin. Der schnellste Teilnehmer (Florian Reichert) erreichte in 36:51 Min. das Ziel. Eine richtig gute Zeit, hatte aber sicher auch wenig Stau auf der Strecke und konnte frei „rennen“.

Fazit

Kampfspuren

Die Urban Challenge war für mich eine echte Herausforderung, diese ganzen Höhenmeter und Treppenstufen hat man nach den 10 km deutlich gespürt. Unerwartet für mich waren die ganzen Höhenmeter, das hatte ich überhaupt nicht auf dem Radar. Dazu muss ich sagen das ich mich – bis auf die Streckenlänge – kein bisschen auf die Herausforderungen vorbereitet habe. Ich habe weder Gewichte gehoben, noch irgendwelche Übungen dafür gemacht, ja ich habe sogar vergessen Magnesium zu nehmen (fatale Entscheidung, als ich Abends einen Krampf bekam) Und dafür bin ich – trotz der Staus – dann doch etwas stolz auf mich selbst.

Nächstes Jahr werde ich – wenn es meine Zeit zulässt – mich wohl wieder auf den Weg nach Hamburg begeben, denn es gibt auch zwischenmenschlich einige schöne Momente, z.B. der als ich jemanden auf der Strecke angefeuert habe und er sich nachträglich am Ende des Rennens dafür bedankte. Der Moment war fast so schön wie endlich das Ziel zu sehen – Danke, Hamburg 🙂

Website, Informationen & Anmeldung: http://urban-challenge-hamburg.de

Tldr: Habe das erste Mal bei der Urban Challenge in Hamburg mitgemacht. Insgesamt gab es 20 Hindernisse, 1.000 Treppenstufen und 200 Höhenmeter auf einer Strecke von 10 Kilometer im Herzen Hamburgs.  Die Strecke war anspruchsvoll, habe sie letztendlich aber bezwungen.  Viele nette Menschen getroffen, den Charme Hamburgs erlebt und bin an meine Grenzen gegangen. Challenge completed.

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