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Woran man einen Internet-Fake erkennt

Das Internet ist voll mit netten, ordentlichen und ehrlichen Menschen. Nicht. Wer schon ein paar Jahre dabei ist, wird sicher die eine oder andere Erfahrung mit solchen Gestalten gemacht haben – oder sogar schon selbst in die Rolle eines anderen „Wesens“ geschlüpft sein.

Ob Bei Facebook, Instagram, oder Whatsapp: Es gibt überall Fakes mit schier unendlichen Möglichkeiten zum Betrug. Mit den Jahren hinterfragt man wirklich alles, obwohl das Profil oberflächlich gut aussieht. Die Anonymität des Internets wird hier zur größten Gefahr um auf eine/n Betrüger/in reinzufallen.

Fakes tauchen daher nicht unbedingt nur auf Singlebörsen auf, wo man es eigentlich erwartet, sondern auch auf Kleinanzeigenmärkten (siehe hier), Chats, Social Networks, oder auch verkleidet als Bot auf Websites.

Wie geht ein Fake vor und woran erkennt man ihn?

Das ist wohl die Frage die sich jeder stellt, der mal auf einen Fake hereingefallen ist. Das grundsätzliche Konzept ist immer dasselbe:

  • 1. Man schafft Vertrauen
  • 2. Es geht über mehrere Tage/Wochen/Monate/Jahre
  • 3. Irgendwann kommt der Punkt „Geld“ oder „Missliche Lage“

Der Fake muss nicht unbedingt als Person unecht sein, es kann auch schon einfach die Intuition sein, dass man niemanden kennen lernen möchte, sondern letztendlich einfach nur auf das Geld aus ist.

Gehen wir etwas intensiver auf die einzelnen Punkte ein:

Vertrauen bekommt man nicht von heute auf morgen, es ist ein stetiger Prozess vom Gegenüber so viel wie möglich zu erfahren, um die Basis zu schaffen und vor allem um die Schwächen des Gegenübers kennen zu lernen. Beispiel: Man hat negative Erfahrungen mit Frauen/Männern gesammelt, irgendwann wird der Fake dann darauf eingehen und ebenfalls die Erfahrung „spiegeln“, wie man es in der Psychologie nennt. Das schafft Vertrauen, Vertrauen die gegenseitige Geldbörse asap leer zu räumen.

Auch die Zeit spielt eine große Rolle beim Vertrauen und um den ganzen „Deal“ irgendwann für sich abzuwickeln. In der Regel müssen Fakes noch unterteilt werden in diverse „Fake-Klassen“:

– Tagesabhängig
– Wochenabhängig
– Jahresabhängig

Wobei letzteres natürlich die Extreme ist, wo man – Entschuldigung – etwas auf den Kopf gefallen sein muss.

Tagesabhängig sind dann die klassischen Internet-Rambos, die direkt in der ersten Mail einen Link zu einer Abo-Seite reinknallen, oder im Laufe des Gesprächs auf den Punkt kommen. Hier zählt Masse vor Klasse.

Wochenabhängig ist dann schon etwas für (Semi-)Profis: Hier wird die Anbahnung einer Beziehung vorgegaukelt, um möglichst labile Internetuser auszunehmen. Es wird dabei nicht sofort um Geld gehen, sondern erstmal wird die „Liebe“ ausgebaut. Ist der Fake eine Frau, so fällt es besonders bei Telefonaten extrem schwer, ob sie wirklich die Liebe sucht, oder einfach nach den grünen Euro-Scheinen. Ist der Fake keine Frau, so wird man wohl selten bis nie mit ihm telefonieren können (es kommt immer etwas dazwischen).

Jahresabhängig ist es dann wie gesagt die Ausnahme, aber auch Realität. Das sind dann i.d.R. echte Profis die nichts anderes machen wollen als Menschen auszunehmen. Auch ein Treffen scheint möglich zu sein, tatsächlich ist es hier ziemlich schwierig zu ermitteln, was die Intention des Gegenübers sind. Wenn es um Geld geht, sollte es in der Regel nicht Jahre dauern bis der Fake eine Anmerkung dazu macht.

Generell sollte man immer die Profile studieren, insofern man sich auf einem Social Network befindet: Wie lange ist der User aktiv, ist die Freundesliste ersichtlich, was sind das für Freunde, ist der User selber aktiv, was hat er für Fotos im Profil (zur Not die Fotos downloaden und im Internet suchen wenn man unsicher ist), hat er Interessen, Rechtschreibung kontrollieren usw.

Weiter haben all diese Arten eines gemeinsam: Sie werden immer mehr mehreren schreiben, es könnte ja jemanden die Masche auffallen.

Identitätsdiebstahl leicht gemacht

Aber nicht immer wollen Fakes euer Geld, manchmal sind auch die Daten oder persönliche Bilder interessant. Warum? Mitunter wollen sie euch nachträglich erpressen, mit euren Infos rechtswidrige Dinge begehen, oder die Daten verkaufen.

Deswegen solltet ihr NIEMALS, und damit meine ich NIEMALS: Bankdaten, Adressen, oder persönliche Bilder (womöglich noch mit der Familie) an Fremde versenden. Das kann euch in echte Probleme bringen, vor allem wenn ihr eine hohe, berufliche Position besitzt. Daraus kann euer Fake (je nach Intelligenz) ein Profil von euch abbilden und euch letztendlich bei Vorgesetzten, Freunden und Familie mehr als schlecht dastehen lassen.

Wie verdient ein Fake konkret Geld?

Wenn wir bei den „Tagesabhängigen“ Fakes bleiben, kann man dies meistens daran erkennen, dass in der ersten Nachricht ein Link zu einer „besseren“ App, oder Seite genannt wird. Das sieht dann meistens so aus:

„Hey, du bist mir sofort aufgefallen und ich finde dich echt sympatischisch. Aber mir schreiben hier so viele und ich wollte dich fragen ob du dich nicht bei Seite X.de anmelden kannst? Ist auch kostenlos und geht echt schnell…“

In diesen Links ist nicht immer ein Partnercode vorhanden wo der Fake Geld verdient, manchmal werden sie auch extra dafür bezahlt. Das sind dann Standardtexte die meistens von osteuropäischen Usern kommen, die dafür akquiriert wurden. Deshalb sind manche Links zu „Seite X“ auch nicht verschachtelt.

Anders sieht es aus, wenn man als Fake irgendwo als Partner angemeldet ist. Daher gibt es für jede Anmeldung Geld, Rabatte, oder Bonuspunkte. In erster Linie natürlich Geld. Dafür kann man zum einen kostenlose Domains registrieren (z.B. www.dot.tk) oder einfach den Link verschleiern mit einem URL-Kürzungsdienst (z.B. bit.ly).

Bit.ly wandelt z.B. Amazon-Links direkt in eine Amazon-„freundliche“ Url um:

Original URL: http://www.amazon.de/test
Gekürzt und verschleiert: http://amzn.to/1DIm9nT

Über Amazon lässt sich ohne Probleme Geld verdienen, bis zu 10% pro Transaktion. Dafür meldet man sich nur im Partner Net von Amazon an und kann sofort starten. Dazu gibt es dann auch eine Anleitung wie man Links für einzelne Produkte erstellt und schon lässt sich dieser Link via bit.ly verschleiern.

Quelle: Screenshot https://partnernet.amazon.de/help/topic/t5/a21

Dafür müsste man jetzt technisch noch etwas ausholen, aber ich versuche es abzukürzen: Es wird ein Cookie auf eurem Rechner gespeichert mit der Partner-ID, die bei einem erfolgreichen Verkauf dann dem User zugeordnet wird. Ihr habt dadurch theoretisch keinen wirtschaftlichen Schaden, allerdings zahlt Amazon dem jeweiligen Publisher Geld dafür, was eigentlich nicht nötig wäre.

Tipp: Regelmäßig euren Internet-Verlauf + Cookies löschen in eurem Browser

Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten: Abo-Modelle (Bestellen von Zugängen aller Art), Klick-Modelle (Klick auf einen Link), Lead-Modelle (Eingabe von Daten).

Wie schütze ich mich vor Fakes?

Letztendlich schützt euch nur eins: Skepsis. Seid skeptisch zu neuen Menschen die ihr kennen lernt, baut nicht sofort Vertrauen auf und gerade in der Kennenlernphase sollten die Alarmglocken klingeln, wenn irgendwelche Wunschlisten per Link kommen, Aufforderungen zu Anmeldungen auf fremden Seiten außerhalb der Community, oder irgendwelche ominösen Personen Ware bei euch gegen einen Scheck abholen möchten (Stichwort ebay Kleinanzeigen).

Fakes sind meistens Studenten, Hausfrauen, oder Menschen ohne Hobbys die sich etwas Geld dazuverdienen möchten. Nicht selten hat der Fake ein finanzielles Problem, weshalb er sich zu solch einem Schritt entscheidet. Für andere ist es einfach der Kick alternativ und anonym Geld zu verdienen.

Vor allem – und das möchte ich nochmal ausdrücklich wiederholen – gebt niemals Bankdaten, Kreditkartennummern, Adressen, oder persönliche Fotos von euch preis. Zudem braucht man nach 5 Min. Chat auch nicht zu schreiben WO man arbeitet, sondern höchstens als was. Auch mit Telefonnummern sollte man vorsichtig umgehen. Zur Not kauft euch ein Prepaid-Handy für eure Online-Aktivitäten.

Bei all der Skepsis solltet ihr zumindest bei den Singlebörsen aber immer noch ein anderes Ohr offen haben: Nämlich nach denen die euch zwar viel fragen, euch aber letztendlich wirklich kennenlernen möchten 🙂

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