Amazon Go: Wo bist du?

Vielleicht habt ihr schon von Amazon Go gehört, das ist quasi der Supermarkt 2.0, oder auch die digitale Version eines klassischen Supermarkts. Was regt einem Onliner an der Supermarktkasse auf? Kunden die Kleingeld zählen müssen und Warteschlangen. Denn: Es kostet uns allen Zeit. Und genau da setzt Amazon Go an.

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Vorerst gibt es Amazon Go nur in den USA, natürlich. Dabei ist das Konzept so einfach wie genial: Man checkt via Smartphone in das Geschäft ein, geht durch die Schranke und fügt dann die Artikel zu seinem “Warenkorb” hinzu. Und wie wird bezahlt? Nun, nicht mehr mit Bargeld, sondern direkt mit dem Amazon-Konto, man geht mit seinem Warenkorb nicht an eine Kasse, sondern direkt wieder aus dem Geschäft.

Wie Amazon Go genau funktioniert, seht ihr hier:
https://www.youtube.com/watch?v=NrmMk1Myrxc?rel=0

Natürlich wird solch ein Konzept in Deutschland wieder auf Kritik stoßen: Ich möchte aber mit Bargeld bezahlen, ist das sicher, ich will mit der Kassiererin quatschen, und so weiter. Das Deutschland in einigen Bereichen digital langsam abgehängt wird, ist überhaupt kein Wunder mit der rasanten Innovationsbereitschaft aus dem Ausland – die natürlich auch keine Angst davor hat, hier etwas auszuprobieren.

Nur Bares ist wahres?

Im Grunde hängt das Ganze auch an der deutschen Bargeld-Mentalität ab. Man möchte “etwas in der Hand” halten. Durch unsere Geschichte liegt das einigen noch im Blut, allerdings ist dieses altertümmliche Verhalten alles andere als modern. Wer sagt denn das Bargeld abgeschafft werden muss? Wenn digitale Menschen gezwungen werden Bargeld nutzen zu sollen, sollen auch die Bargeld-Befürworter digitale Bezahlmethoden verwenden. Entweder, oder beides.

Bargeld ist nicht böse und erleichtert auch vielen Menschen den Einkauf. Aber es sollten sich die großen Supermarktketten langsam darauf einstellen, dass sie bald überrumpelt werden, insofern keine digitale Lösung angeboten wird. In einer Kassenschlange zu stehen, von der hustenden Kassiererin mein Wechselgeld zu bekommen, dass ist einfach unsexy. Der einzige Supermarkt – den ich kenne – der hier schon etwas weiter ist, lautet “real”. Hier wird zumindest – wie bei IKEA – eine Selbstbedienungskasse ohne Bargeld angeboten. Danke dafür <3.

Das nicht jeder Kauf von Kaugummi auf meinem Kontoauszug zu sehen sein muss, auch dass ist klar. Aber wer eh mit EC-Karte im Supermarkt bezahlt, dem kann es ja auch grundsätzlich egal sein, mit was für einem System abgerechnet wird.

Wie war das mit der sozialen Interaktion?

Klar unterhält sich – nennen wir sie Oma Annegret – mit der Kassierin an der Kasse über den neusten Lokaltratsch. Aber ich brauche das nicht. Ich möchte während Oma Annegret quatscht, an der Nachbarkasse durchlaufen und am besten kontaktlos bezahlen. Warum werden wir an der Kasse immer aufgehalten? Um Impulskäufe bei der Schokolade auszulösen, oder um Kosten zu sparen? Zweites kann ich mir kaum vorstellen, da sich eine SB-Kasse wohl schneller amortisiert, als zwei Kassier/innen. Habt ihr noch nichts vom Internet gelernt, lieber Rewe, lieber Edeka, dass man beim Checkout am Warenkorb nicht aufgehalten werden darf? Stellt euch für einen Moment eine Warteschlange bei einer Online-Bestellung vor: Sie sind der 5. in der Warteschlange, haben Sie noch etwas Geduld, bis wir Ihr Geld möchten…

Ja, das mag zwar hart klingeln, aber Kassier/innen sind vom Aussterben bedroht. Allerdings nicht zwangsläufig der Arbeitsplatz an sich, denn die Arbeitskraft kann – wie bei Amazon Go – umstrukturiert werden zum Verkaufsberater. Und so kann Oma Annegret dann doch noch quatschen.

Und zum Schluss noch die Kritik

Klar, ein Amazon sammelt dadurch wichtige Daten zum Konsumverhalten. Aber jeder von uns muss selbst inne gehen und sich eingestehen, wo er schon mehr oder weniger freiwillig seine Daten verkauft hat. Ob bei einem Gewinnspiel, bei der Unterzeichnung eines Kontos. Letztendlich wäre es doch “besser”, wenn nur ein Unternehmen die Hoheit über meinen Konsum hat. “Besser” in Anführungszeichen, da es natürlich auch eine Gefahr birgt. Ist mir persönlich aber lieber, als bei 50 Unternehmen meine Daten zu hinterlegen. Amazon richtet sich einfach nach dem Kunden, unabhängig davon das es eine gewisse Marktmacht mit sich bringt. Oder warum bestellt ihr bei Amazon? Würde Amazon nicht Prime und diese kulante Rückerstattung anbieten, würdet ihr doch sofort wieder alle in die Stadt gehen 😉

In einigen Beiträgen findet ihr auch von mir Kritik zu Technologien – in Bezug auf die eigene Gesundheit. Allerdings ist das ein Paradebeispiel wie man hochmoderne Technologie mit klassischen Strukturen verbinden kann.

Wer wird Amazon Go nutzen, der sowieso schon Probleme damit hat, z.B. Online-Banking zu nutzen? Niemand. Aber es gibt eine Vielzahl von Menschen die Warteschlangen nicht mögen, die kurz Pause haben und sich etwas zu Essen holen, die unter Zeitdruck stehen, genau für diese Menschen ist Amazon Go gemacht. Danke für diese Innovation, please come to Germany!

Bildquelle: Amazon Youtube Video (https://www.youtube.com/watch?v=NrmMk1Myrxc)

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